Ein feste Burg ist unser Gott. So deutschte der Reformator Martin Luther den 46. Psalm ein. 474 Jahre später wurde jetzt erstmals eine Messe in einem schwankenden Gotteshaus aus feuerfestem Kunststoff und Pressluft gelesen. Auf einer Verkaufsmesse für christliche Ausrüstung in der Nähe von Windsor weihte der anglikanische Geistliche Michael Elfred der Welt erste Kirche zum Aufblasen ein.
Die PVC-Kapelle im gotischen Granit-Look, komplett mit 14,30 Meter hohem Turm, Säulenheiligen und Glasmalereifenstern, ist eine Art geistliche Hüpfburg, gottlob mit Dach. Das Kirchenschiff ist 14,30 Meter lang, 7,60 Meter breit und fasst eine Gemeinde von 60 Gläubigen. Die braunen Bänke mit einem Dutzend Sitzplätzen, die Orgelattrappe, die Kanzel und der Altar - alles ist binnen drei Stunden aufgestellt. Selbst das Kreuz und die Kerzen fehlen nicht. Das Konzept stammt von Michael Gill (34), einem Unternehmer für Freizeit- und Unterhaltungsgeräte wie Ski-Simulatoren und Rodeo-Brettspielen.

Ursprünglich sollte die Kirche einem profaneren Zweck dienen: Eine englische Bar-Kette wünschte sich etwas Originelles für ihre Discos. Diese Idee zerschlug sich. Doch der erste Prototyp war schon gefertigt, und da kam dem Erfinder die christliche Eingebung. Das Alte Testament berichtet, dass die Menschen Gott früher in einem Zelt verehrten, sagt Hochwürden Elfred bei der Einweihung. Gott ist ständig auf Achse und mahnt uns, dass wir uns nicht an Bauwerke klammern dürfen.
Die mobile Kunststoffkirche, die zusammengefaltet auf einen Lkw passt, hat weltweites Interesse ausgelöst. Allein in den ersten 24 Stunden liefen 250 eMail-Anfragen und Bestellungen aus 23 Ländern ein, so Gill, der seine Erfindung auch in Amerika vorstellt und schon an eine 150-Personen-Version sowie an Synagogen und Moscheen denkt. Das Standardmodell mit sechs Monaten Garantie wird ab Werk an der belgisch-holländischen Grenze zum Preis von umgerechnet 30 000 Euro oder zur Tagesmiete von knapp 3000 Euro angeboten. Lieferzeit: etwa sechs Wochen.
So könnte das tatsächlich an eine Kinderhüpfburg erinnernde Gotteshaus etwa auf Schulhöfen oder in Fussgängerzonen gastieren. "Wir müssen zu den Leuten gehen und können nicht warten, bis sie zu uns kommen. Unsere Kirche wird gerade transportiert und soll möglichst noch in diesem Advent zum Beispiel auf Weihnachtsmärkten erstmals aufgebaut werden", so Huyeng.
Als ehrwürdige Bauwerke galten sie bisher. Monumental stehen sie weithin sichtbar in ihrer Grösse, bedeutungsvoll geben sie architektonisch Zeugnis ihrer Epoche. Fresken und mannigfaltig gegossene und geschnitzte Skulpturen zieren sie ebenso wie berühmte Altäre, die seit jeher eine beeindruckende Kulisse für Abendmahl, Gebet und Sakrament bieten. Unsere Kirchen: sie sind uns lieb und teuer.
Aber als was eigentlich? Über Jahrhunderte hatten Kirchen ihren festen Platz im Leben der Menschen, im Leben der Städte und Dörfer. Heute verkommen sie zusehends zu Orten, die abgeschnitten von dem gesellschaftlichen Leben als religiöser Dienstleister wahrgenommen werden. Oder auf ihren architektonischen Wert reduziert sind. Schön, aber leer.
Würde Jesus heute Kirchen bauen - würde er noch mit Stein bauen? Passt eine Kathedrale (noch) zu dem Mann, der wild und verwegen in Sandalen durch Galiläa predigend wanderte? Wie gut sind unsere Kirchen dazu geeignet, Jüngerschaft zu leben? Wozu brauchen Nachfolger Christi einen Riemenschneider-Altar? Wer will unter einer weltberühmten Deckenmalerei andächtig der Predigt lauschen, wenn draussen unter Gottes freiem Himmel die Vögel zwitschern und die Sonne lacht? Eigentlich sollte temporäre Jugendkirche auch da stattfinden, wo Jugendliche sind - sei es auf einem Jahrmarkt, vor der Disco, bei einem Fussballspiel oder vor einem Kinzert. Nur: wie bekommen wir sie dort hin?

Das Bistum Essen hatte da eine ganz und gar lustige Idee: ein Luftschloss zu bauen, das sie zusammengefaltet im Anhänger dorthin transportieren können, wo die Kirche gerade gebraucht wird. Plastikbahnen ausrollen, ordentlich Luft rein pumpen und fertig ist die Kirche. Einfach da. Wo gestern noch Werbemittelverteiler ihrem Treiben nachgingen, kann heute in Null-Komma-Nix eine Kirche stehen. 60 Sitzplätze bietet sie und soll schon fertig sein.
In der aufblasen Kirche eine Kerze anzuzünden, dürfte schwierig sein, und auch sonst entgeht der postmodernen PVC Polyestergewebe-Kirche einiges an sakraler Feierlichkeit. Doch dafür zeigt sie Kirche in neuer Dimension, und der Geist weht bekanntlich wo er will. Sollte der Sturm mal etwas stärker ausfallen, lässt sich die aufblasbare Kirche sicherlich mit ein paar Seilen an den umliegenden Strassenlaternen anbinden. Ein bisschen gesellschaftlicher Halt kann der Kirche von morgen ohnehin nicht schaden.
Auf dem Weihnachtsmarkt kommt sie erstmals zum Einsatz, später dann in der Kinder- und Jugendarbeit. "Wir wollen mit der Kirche dahin gehen, wo Kirche sonst nicht ist, wie zum Beispiel auf Schulhöfen oder in Fussgängerzonen", so der Leiter der Kinder- und Jugendarbeit im Bistum.
Huyeng setzt auf die Anziehungskraft der vermutlich ersten katholischen Aufblas-Kirche in Deutschland. "Damit können wir für unsere Angebote in den Gemeinden vor Ort werben." Das neue Gummi-Gotteshaus habe eine "niedrige Hemmschwelle". Bislang sorgten bereits die Evangelischen Kirchen Württemberg und Thüringen mit einem Modell der 2003 in England entwickelten "Inflatable Church" für Schlagzeilen.
Doch das Kirchenhaus aus Luft mit seinen rund 60 Sitzplätzen soll nicht nur Werbestand, sondern auch Ort der Besinnung sein. Auch wenn es "sicher keine Eucharistie-Feiern" in der Aufblas-Kirche geben wird - Wortgottesdienste und andere spirituelle Angebote sind geplant. Huyeng gibt sich realistisch: "Wir rechnen mit Protesten", meint er auch mit Blick auf die Unruhe, die die Kirchenschliessungen ausgelöst haben. "Das Ganze ist ein bisschen provokant, aber Jugend darf provokant sein", stellt Huyeng klar, wie auch der Kletterparcours in der Gelsenkirchener Liebfrauenkirche bewies.
Ach ja, von wegen spenden - spart mal lieber, denn wer hätte nicht gerne seine eigen sakrale 'funzone' im Garten? In einem Versandhauskatalog ist diese erste aufblasbare Kirche der Welt zu bewundern. Unter der Bestellnummer 21 8498 26 kann man sie für 31 500 € erwerben. Sie ist rosa-grau, 15 Meter hoch, 15 Meter lang und 8 Meter breit und in weniger als drei Stunden prall mit Luft gefüllt. Sie hat Platz für 60 stehende Personen. Orgel, Altar, Kerzen und Altarkreuz werden mitgeliefert, ebenfalls aufblasbar. Die Botschaft des aufblasbaren Gotteshauses lautet: "Kirche ist weder langweilig noch alltagsfern, sondern modern und mittendrin in Ihrem Garten."
Das kann sich heute wohl niemand mehr leisten. Aber für die Kirche scheint das die Lösung: In der so strittigen Strukturreform könnte man diese christliche Hüpfburg überall einsetzen. Vielleicht werden dann Gottesdienst-Besucher nach der Messe mit prall gefüllten Luftballons ihren speziellen Dank auf Kärtchen in den Himmel schicken? Innerhalb der JugendkircheBewegung hat sich diese Möglichkeit bereits verschiedentlich temporär bewährt. Die Frage stellt sich allerdings, warum man sich nicht bereits im Vorfeld einer Jugend besonnen hat, die sich gerne als die tragende Kraft einer zukünftigen, oftmals futuristisch anmutenden, Gesellschaftsform christlicher Prägung besonnen hat.

Das Bistum Essen hatte da eine ganz und gar lustige Idee: ein Luftschloss zu bauen, das sie zusammengefaltet im Anhänger dorthin transportieren können, wo die Kirche gerade gebraucht wird. Plastikbahnen ausrollen, ordentlich Luft rein pumpen und fertig ist die Kirche. Einfach da. Wo gestern noch Werbemittelverteiler ihrem Treiben nachgingen, kann heute in Null-Komma-Nix eine Kirche stehen.
In der aufblasen Kirche eine Kerze anzuzünden, dürfte als problematisch erweisen, und auch sonst entgeht der postmodernen PVC Polyestergewebe-Kirche einiges an sakraler Feierlichkeit. Doch dafür zeigt sie Kirche in neuer Dimension, und der Geist weht bekanntlich wo er will. Sollte der Sturm mal etwas stärker ausfallen, lässt sich die aufblasbare Kirche sicherlich mit ein paar Seilen an den umliegenden Strassenlaternen anbinden. Ein bisschen gesellschaftlicher Halt kann der Kirche von morgen ohnehin nicht schaden.
Auf dem Weihnachtsmarkt kommt sie erstmals zum Einsatz, später dann in der Kinder- und Jugendarbeit. "Wir wollen mit der Kirche dahin gehen, wo Kirche sonst nicht ist, wie zum Beispiel auf Schulhöfen oder in Fussgängerzonen", so der Leiter der Kinder- und Jugendarbeit im Bistum.
Huyeng setzt auf die Anziehungskraft der vermutlich ersten katholischen Aufblas-Kirche in Deutschland. "Damit können wir für unsere Angebote in den Gemeinden vor Ort werben." Das neue Gummi-Gotteshaus habe eine "niedrige Hemmschwelle". Bislang sorgten bereits die →
Evangelischen Kirchen Württemberg und Thüringen mit einem Modell der 2003 in England entwickelten "Inflatable Church" für Schlagzeilen.
Doch das Kirchenhaus aus Luft soll nicht nur werbewirksam, sondern auch Ort der Besinnung sein. Auch wenn es "sicher keine Eucharistie-Feiern" in der Aufblas-Kirche geben wird - Wortgottesdienste und andere spirituelle Angebote sind geplant - gibt sich Huyeng realistisch: "Wir rechnen mit Protesten", meint er auch mit Blick auf die Unruhe, die die Kirchenschliessungen ausgelöst haben. "Das Ganze ist ein bisschen provokant, aber Jugend darf provokant sein", stellt Huyeng klar, wie auch der →
Kletterparcours in der Gelsenkirchener Liebfrauenkirche bewies.
siehe auch
→ 'Pump my Church': Jugendkirche zum Verleih