Das JuKi-Projekt steht derzeit auf dem Prüfstand, sagt Diözesanjugendseelsorger Stefan Mühl. Voraussichtlich noch in diesem Monat fällt die Entscheidung. Er wünscht sich mit dem Leitungsteam der Jugendkirche, dass die Bistumsleitung die Zukunft dieser Einrichtung sichert: Beispielsweise, indem eine hauptamtliche Kraft eingestellt wird. "Es gibt viel Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement. Aber das braucht hauptamtliche Unterstützung. Wir können das nicht ewig zu unserer normalen Arbeit dazu machen."

Der 44-jährige Jugendpfarrer ist mit sichtlich viel Engagement bei der Sache: Begeistert berichtet er von den alle zwei Wochen stattfindenden Jugendgottesdiensten, die mit über 100 jungen Leuten sehr gut besucht seien. Normalerweise steht der Altar in der Mitte eines Stuhlkreises - bei grossem Andrang steht er im Chorraum.
Die christlichen Kirchen müssen sich, nachdem sie die Jugendlichen ab der Firmung jahrelang sträflich vernachlässigt hatten, einiges einfallen lassen, um für junge Menschen wieder attraktiv zu sein. Live-Bands, riesige Flachbildschirme und Internet-Podcasts mit positiven und mitreissenden Predigten gehören zwischenzeitlich wie selbstverständlich zum heilsbringenden Angebot. Der JuGodi in der JuKi folge den Regeln der Liturgie, habe aber bewusst andere Elemente - oft gehe es dabei um die Musik. "Unlängst hatten wir Rock-Musik, in denen es religiöse Anklänge gibt, wie ,God is a DJ'", berichtet Mühl. Ein Musical als Projekt gemeinsam einzuüben, sei ein Vorhaben für die Zukunft.
Ein anderer Jugendpastor stellt fest, dass biblische Texte aus so einer anderen Zeit und Kultur stammen, "dass es schwierig ist, sie für unser Leben zu nutzen. Ein zweiminütiger Clip bringt deshalb manchmal mehr, als eine Predigt". Der Wettbewerb der Religionen verlangt nicht nur nach Ansicht von Oberkirchenrat Thies Gundlach eine engere Zusammenarbeit unter den Landeskirchen. "Der Kampf um die Seelen der Menschen hat erst begonnen", ist sich der Abteilungsleiter im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland sicher.
Konzerte, Filme und Theater erfreuen sich generell grosser Beliebtheit. Zu "Feel the Spirit of Africa" Ende Oktober kamen fast 180 Besucher in die Ludwigshafener JuKi. Neu sind drei Graffiti-Leinwände an den Mauern, auf denen die Jugendlichen Worte in Kreuzform und künstlerische Engels-Figuren gesprüht haben. "Alles hier ist offen und flexibel, das ist auch wichtig für uns und die Einrichtung", sagt Mühl. Mit dem Angebot der Jugendkirche solle den katholischen Pfarrgemeinden keine Konkurrenz gemacht werden. "Wir wären froh, wenn es sich rumspricht: Bei uns gibt es die Chancen, als junger Mensch Kirche zu erleben, neue Formen einzusetzen und Lebendigkeit zu erfahren."
Die meisten Besucher kämen mit einem christlichen Hintergrund, bereiten in ihrer Heimatgemeinde Gruppenstunden oder Jugendgottesdienste vor. Der Einzugsbereich der Jugendkirche gehe bis nach Homburg oder Lambrecht, von wo aus ein junger Mann immer per S-Bahn "anreise". Mit Schulen solle bald stärker kooperiert werden - für solche Ideen brauchte es aber jemanden, der die Arbeit koordiniert. Seit zweieinhalb Jahren ist Mühl Jugendseelsorger - ein Job, der ihm wenig Zeit für Hobbys wie Skifahren oder Gitarrenspielen lässt, wie er etwas bedauernd zugibt.