
KRABATBRD 2008 - Regie: Marco Kreuzpaintner  Lange bevor die Bücher von Joanne K.Rowlings "Harry Potter" sowie "Eine lausige Hexe" von Jill Murphy, auch "Die Kinder des Dschinn" von P. B. Kerr und Jonathan Strouts "Bartimäus" Millionen nicht nur jugendliche Leser in ihren Bann schlugen, hat Otfried Preußler mit Kinder- und Jugendbüchern wie "Die kleine Hexe" (1957 - die bis heute zu den meist gespielten Stücken des deutschen Kindertheaters gehört), "Der Räuber Hotzenplotz" (1962 - einem Buch, das kaum entstanden wäre, hätte Preußler sich mit den Arbeiten am "Krabat" nicht so schwer getan. "Ich musste die Arbeit einstellen, hielt den Krabat für gescheitert - und schrieb aus lauter Verzweiflung darüber den Räuber Hotzenplotz") oder "Das kleine Gespenst" ein Millionenpublikum vor allem im deutschsprachigen Raum verzaubert. Seine ambitionierteste Geschichte erschien wohl mit "Krabat" und machte ihn mit einem Schlag auch international bekannt. Das 1971 erschienene Jugendbuch "Krabat" verkaufte sich mehr als zwei Millionen Mal, wurde in über 30 Sprachen übersetzt und mit Auszeichnungen überhäuft. Aber: Kinder, so sagt der 85-jährige Geschichtenerzähler, seien für ihn "das beste und strengste Publikum". Zehn Jahre hat der Schriftsteller an seinem wohl düstersten Märchen gearbeitet. Die sorbische Volkssage um den Zauberlehrling Krabat und die schwarze Mühle faszinierten ihn schon im Alter von elf Jahren. Immer wieder habe er sich die geheimnisvolle Geschichte aus der Bibliothek seines Vaters geholt, einem Lehrer und Heimatforscher in der nordböhmischen Kleinstadt Reichenberg, dem heutigen Liberec in Tschechien. Hier wurde Preußler 1923 auch geboren. "Filme zu machen ist mindestens so riskant wie Poker", hat der amerikanische Schauspieler Michael Douglas einmal gesagt. Dem deutschen Regisseur Marco Kreuzpainter ist jetzt mit der Verfilmung des Buches ein bemerkenswertes Stück Kino gelungen - eine auch international vorzeigbare Mischung aus Abenteuer-, Fantasy- und Historiendrama, versetzt mit dem Drama des Erwachsenwerden (neudeutsch 'Coming of Age') - das im Gegensatz zu vielen Hollywoodproduktionen, die ein junges Publikum im Visier haben, weniger auf Spezialeffekte und Actionszenen setzt, sondern eine packende Geschichte in einer stimmigen Atmosphäre spannend erzählt. Kreuzpaintner "Wir weichen da vom Roman ab, wo es der Dramaturgie unseres Films geschadet hätte. Die grösste Änderung ist wohl, dass sich der Zeitrahmen der Geschichte bei uns nicht über drei, sondern lediglich über zwei Jahre erstreckt. Wenn sich etwas dreimal wiederholt, wird es auf der Kinoleinwand schnell langweilig. Auch am Ende gibt es eine grosse Überraschung. Aber zu 95 Prozent orientieren wir uns am Roman." Für Regisseur Marco Kreuzpaintner ist die Verfilmung von KRABAT die Erfüllung eines grossen Wunschtraums. Mit 13 Jahren hatte er das Buch mehrfach gelesen. "In diesem Alter konnte ich mich mit der Figur 'Krabat' voll und ganz identifizieren", meint Kreuzpaintner. "Die Welt, in der Krabat sich zurechtfinden muss, hatte mich stark fasziniert. Krabat ist ein besonderer Held. Er besitzt Stärke, Mut, Gefühl und repräsentiert wichtige Werte. Man muss ihn lieben und ist ihm sehr nahe. 'Krabat' erzählt ja nicht nur vom Erwachsenwerden, der Selbstbestimmung, Freundschaft und der Liebe, sondern auch vom Tod." Waisenjungen Krabat, der im dreissigjährigen Krieg als Mühlengeselle mit der Kraft der Liebe den Kampf gegen dunkle Mächte gewinnt. Von einer inneren Stimme geleitet, gerät der 14jährige Waisenjunge Krabat in den Wirren des 30jährigen Krieges an das Tor einer Mühle. Als ihm der Müller mit düsterer Miene die Pforten des Hauses öffnet, erwartet ihn dort bereits eine Runde schweigender Gestalten. Mit den Worten “Das ist Krabat. KRABAT Wenn er die Probezeit besteht, wird er zu euch gehören.” empfängt er den Neuankömmling, dem dieser Satz des Meisters wie eine Drohung in den Ohren klingt. Der Alltag in der Mühle bedeutet für Krabat hartes Arbeiten unter dem strengen und unerbittlichen Meister. Nur Tonda, der Altgeselle, hilft Krabat, die ersten Monate in der Mühle zu überstehen. Und bald lernt Krabat das Geheimnis der Mühle kennen: Er ist in eine Zauberschule geraten, in der zwölf Gesellen die schwarzer Magie lernen. Als Krabat nach einem Jahr zum Gesellen aufsteigt, kann er genau wie die anderen auch seine Zauberkräfte bei der schweren Arbeit einsetzen. Auch wie man sich durch Zeit und Raum bewegt und in Raben verwandelt über Wälder und Landschaften fliegt, lernen die Gesellen im Laufe der Zeit. Doch der Preis, den die Burschen für ihre neuen Kräfte zahlen müssen, ist hoch: sie sind dem Meister auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, an ein Entkommen ist nicht zu denken. Eines Tages begegnet Krabat während einer seiner spärlichen Ausflüge im nahegelegenen Dorf dem Bauernmädchen Kantorka. Diese Begegnung lässt ihn nicht mehr los und von diesem Moment an ist es sein einziges Ziel, ihre Zuneigung zu gewinnen. Nicht ahnend, dass er sich mit seiner Zuneigung zu Kantorka in tödliche Gefahr begibt, denn die Legende besagt, dass es der Liebe eines Mädchens bedarf, um den Meister zu überwinden. Als der Müller in Krabat einen heranwachsenden Konkurrenten erkennt, versucht er ihn zu verführen und ihn auf seine Seite zu ziehen. Er bietet ihm die Nachfolge als Meister auf der Mühle an: Reichtum, Macht, Frauen - alles ist möglich mit Schwarzer Magie! Krabat jedoch erkennt, dass diese ihm nicht zu den Werten verhelfen kann, die einzig in seinem Leben zählen, und entscheidet sich, den Meister am Neujahrstag herauszufordern. Otfried Preußler, dessen wichtigstes Haustier ein "gefrässiger Papierkorb" ist, zeigte sich mit den guten Darsteller, den phantastischen Bildern und der suggestiven musikalischen Untermalung mehr als zufrieden. Der Film kam 11 Tage vor seinem 85. Geburtstag in die deutschen Kinos. Die Adaption durch Regisseur Marco Kreuzpaintner ist auch im Rahmen der Filmbildung von hohem Interesse, denn der Roman ist lehrplanrelevant. Daher veröffentlicht Vision Kino gGmbH - Netzwerk für Film- und Medienkompetenz gemeinsam mit Matthias-Film bereits vier Wochen vor dem bundesweiten Kinostart am 09. Oktober 2008 in der Edition Kino trifft Schule eine didaktische DVD mit Filmausschnitten und Unterrichtsmaterialien. Sie soll Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften zahlreiche Möglichkeiten bieten, den Film - ergänzend zum Kinobesuch - in verschiedenen Fächern zu behandeln. Die DVD kann gegen eine Schutzgebühr von 6 Euro (inkl. Porto und Versand) bestellt werden: Matthias-Film gGmbH, Gänsheidestr. 67, 70184 Stuttgart Tel.: 0711 / 243456, Fax: 0711 / 2361254,
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DER BIBEL CODEBRD 2008, Regie: Christoph Schrewe  Der Journalist Michael Drosnin forschte viele Jahre an der Entschlüsselung geheimer Codes, die in der Bibel enthalten sein sollen. Mit Hilfe mathematischer Formeln suchte er nach Worthäufigkeiten und Buchstabenfolgen, die einen Zusammenhang ergeben könnten. 1997 fasste er seine Erkenntnisse in einem Buch zusammen und erzielte mit "Der Bibelcode" einen Weltbestseller. Laut Drosnin existiert ein mathematischer Code, mit dem er im hebräischen Urtext der Heiligen Schrift beispielsweise das tödliche Attentat vorhergesehen haben will, das 1995 auf den israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin verübt wurde. Kritiker durchsuchten daraufhin Melvilles "Moby Dick" nach dem gleichen Prinzip und enthüllten ähnliche "Prophezeiungen". Bin mal so richtig gespannt, was uns Harry Potter oder J.R.R.Tolkien durch die Hobbits offenbart. Ob Schweigen Gold ist und Reden nur Silber, ist Ansichtssache. Einander zu verstehen benötigt jedenfalls mehr als stummes Beisammensein, aber auch mehr als blosse Worte. "Gibt es Gott, gibt es ihn nicht? - das lässt sich eben am einfachsten mit dem Satz beschreiben: Was nicht zu beweisen ist, ist auch nicht zu widerlegen. Ich praktiziere die zehn Gebote so weit wie möglich, will mich aber nicht bei Missachtung mit Verdammnis bedrohen lassen. Wenn du glauben willst, glaube! Jeder soll seinen Seelenfrieden finden", so 'Blacky'. Im TV-Zweiteiler "Der Bibelcode", der jetzt auch auf DVD erhältlich ist, spielt Blacky Fuchsberger den Papst Innozenz V. Eine seltsame Rolle für einen bekennenden Agnostiker: "Meine Rolle als Papst hat nichts mit mir zu tun. Man muss das Private strikt vom Beruflichen trennen. Man muss ja auch kein Mörder sein, um einen darzustellen. ... Es ist eben kein historisches Werk, sondern Entertainment im Zeichen des Zeitgeistes. ... Ein Realitätsbezug besteht allerdings in der Auseinandersetzung der Avignon-Päpste mit den Rom-Päpsten, das ewige Ringen um die Frage des richtigen Weges zu Gott. Es war mein Wunsch, diesen Aspekt zu Lasten der Actionseite stärker zu betonen." Die Hauptfigur Johanna lernt der Zuschauer in bedrückter Atmosphäre kennen: Die junge Polizistin räumt ihren Schreibtisch, um anschliessend Dienstmarke und Waffe abzugeben. Sie muss gehen, weil sie einem Verdächtigen beim Verhör die Schulter ausrenkte. Es war "die einzige Möglichkeit herauszufinden, wo das entführte kleine Mädchen ist." Dann erhält die Entlassene einen Anruf von einem Mann, der sich als ihr Vater vorstellt und sie dringend treffen will. Sie hat ihren Erzeuger nie kennengelernt, erscheint aber am vereinbarten Treffpunkt. Der Bibelforscher wurde jedoch auf seinem Weg von Killern verfolgt und verwundet. Mit letzter Kraft schleppt er sich in die Arme seiner Tochter, um ihr einen mysteriösen Umschlag zu geben, etwas über den Papst zu stammeln - "Es wird Schreckliches passieren ... der Papst ... du musst es verhindern." - und zu sterben. Die entsetzte Johanna folgt den Blutspuren bis zur Wohnung des Vaters, wo sie auf seinen französischen Assistenten, den französischen Religionswissenschaftler Simon (Olivier Sitruk), trifft - und ihr Vater erweist sich als brillanter Bibelforscher, der gefährlichem Geheimwissen auf der Spur war. Gemeinsam entdecken sie mehrere Reisepässe, Geld und einen Laptop, den sie kaum geöffnet haben, als ihnen schon die ersten Kugeln um die Ohren fliegen, und sie hat mit einem Amulett und seinen Habseligkeiten auch seine Bedrohung geerbt. Nach einer halsbrecherischen Flucht über die Dächer Münchens machen sich die beiden daran, zu ergründen, was so brisant ist, dass höchste Kirchenkreise dafür über Leichen gehen. Es scheint sich um einen Code zu handeln, mit dessen Hilfe sich dem Urtext der Heiligen Schrift düstere Prophezeiungen entnehmen lassen, die bei rechtzeitigem Erkennen abwendbar sind, aber die Killer sind nicht weit. Wie die beiden bald feststellen müssen, hören diese auf das Kommando des finsteren Kardinals Rhades (James Faulkner), der den gutmütigen Papst Innozenz (Joachim Fuchsberger) umbringen will, um selbst der mächtigste Mann der katholischen Kirche zu werden. Und nur Johanna kann dies verhindern, indem sie mit Simons Hilfe die Arbeit ihres Vaters fortsetzt und den Bibelcode entschlüsselt. In einem Kloster schützt der geheime Orden der Sternenjünger das Wissen um den Bibelcode. Johanna erfährt Unglaubliches: Der Bibelcode ist real. Seit jeher gab es prophetisch veranlagte Frauen, die mit Hilfe eines Artefakts, der Sternenscheibe, die Zukunft vorhersagen konnten. Diese ist nun in der Wüste Israels verschollen. Johanna und Simon Maler (Olivier Sitruk) reisen dorthin, um sie zu finden. Bilder und Kameraeinstellungen erinnern an Hochglanzaction made in Hollywood, die wenigen Spezialeffekte inklusive künstlichem Sandsturm können sich sehen lassen. Zudem fand Regisseur Christoph Schrewe in Olivier Sitruk einen sympathischen Hauptdarsteller und in James Faulkner sowie Steffen Wink überzeugende Bösewichte - und natürlich die schmolllippige Nina-Hagen-Tochter Cosma Shiva als Action-Heroine à la Angelina Jolie. Sie hat "ein Gesicht, das man nicht vergisst", wurde einst über sie geschrieben. Im Zweiteiler "Der Bibelcode" spielt sie Johanna Bachmann, die in ein Kloster in der Steiermark flieht und von dort aus ein gefährliches Abenteuer erlebt. Eine Rolle, die Hagen in gewohnter Perfektion ausfüllt. Cosma Shiva gilt als polyglotte Weltenbummlerin. Sie wohnte bereits in London, Berlin, Paris, Ibiza und Lüneburg. Inzwischen fühlt sich die Schauspielerin jedoch in Hamburg heimisch. Wenn ihr bebrillter "Hilfsgeist" wieder mal erfolgreich etwas aus dem phönizischen Hebräisch übersetzt hat, dabei aber auch nur kryptische Prophezeiungen ("Die 86 markiert den sterbenden gelben Mann") zutage fördert, entfährt ihr schon mal ein ketzerisches "Na, super, dann ist ja alles klar". Und als sie der Papst-Gegenspieler Kardinal Rhades mit salbungsvollen Worten für seine Feuer-und-Schwert-Lehre gewinnen will, herrscht sie ihn an: "Kommen Sie auf’n Punkt!" So transportiert sie auf subtile Weise die einzige Haltung, mit der sich der Film goutieren lässt: Freude am Trash, und bloss nicht zu hoch hängen, das Ganze. Wirklich ernst nehmen kann man das Geschehen nicht - aber das verlangt ja Gott sei dank auch keiner. ProSieben ist stolz auf die von Christoph Schrewe inszenierte Eigenproduktion (Buch: Timo Berndt, Georg Lemppenau). "Ganz in der Mystery-Tradition" seines Hauses verortet Christian Balz, Leiter deutsche Fiction bei dem Münchner Sender, den Stoff und verweist auf "Das Jesus Video" (2002) und "Das Blut der Templer" (2004) mit Harald Krassnitzer als Gralshüter. SNOW ANGELS / ENGEL IM SCHNEE USA 2007; David Gordon Green
 1974 in der Kleinstadt Butler, Pennsylvania: "Engel Im Schnee" ist die zu Herzen gehende Geschichte dreier Paare verschiedener Altersstufen, die sich auf der Suche nach Geborgenheit und Lebenssinn begegnen. Ein plötzlicher Ausbruch von Gewalt bringt die miteinander verbundenen Lebensläufe dieser Paare durcheinander - sie besinnen sich auf die kostbarsten Momente, auf das, was im Leben wirklich zählt. Der fünfzehnjährige Arthur Parkinson übt im Spielmannszug der Schule die Posaune. Plötzlich knallen Schüsse. Was Arthur da hört, ist der Mord an Annie Marchand, seiner früheren Babysitterin und dem Objekt seiner ersten erotischen Begierden. Für eine Wende in Annies Leben sorgt gerade dieser Junge. Arthur muss sich mit ihrer jungen Tochter und ihrem entfremdeten Ehemann Glenn abmühen. Gordon Green adaptierte für das Drehbuch Stewart O'Nans ersten Roman "Engel im Schnee", der 1993 mit dem William-Faulkner-Preis ausgezeichnet wurde. Schüler Arthur räumt im örtlichen chinesischen Restaurant die Tische ab und geht seinen ewig streitenden Eltern aus dem Weg. Bei der Arbeit flirtet er mit Annie, die einst sein Babysitter war. Annie muss sich und ihrer Tochter ein neues Leben aufbauen, nachdem sie sich von ihrem Schulfreund Glenn getrennt hat. Glenn wird mit seiner Vergangenheit nicht fertig - er möchte sich einen Job suchen und mit seiner Familie versöhnen. In der Schule lernt Arthur die hübsche Lila kennen - sie ist Aussenseiter wie er, und die beiden verlieben sich sofort ineinander. Lila zeigt ihre Gefühle für Arthur sehr direkt, doch Arthur zögert, auf ihre Avancen einzugehen, weil er mit ansehen muss, wie sein Vater auszieht und seine Mutter die Familie nur mit Mühe über Wasser hält. Doch weil Arthur glücklich werden will, lässt er sich endlich auf die unwiderstehliche Lila ein, obwohl er auch den Kleinkrieg zwischen Annie und Glenn miterlebt, während seine Eltern inzwischen getrennte Wege gehen. Doch an einem kalten Wintermorgen holt Glenns und Annies Vergangenheit sie ein. Alles Leid, alle Auseinandersetzungen kulminieren in einem schockierenden Augenblick. Für sie und alle Beteiligten ist jetzt nichts mehr so, wie es war. Annie ist eine hübsche junge Frau, der nichts im Leben gelingen will, nicht einmal, ihre Liebsten vor Schaden zu bewahren. Sie liebt ihren Mann und treibt ihn in den Alkoholismus. Sie vergöttert ihre kleine Tochter und misshandelt sie beim geringsten Anlass. Sie vertraut ihrer besten Freundin und betrügt sie mit ihrem Mann. Zuletzt wenden sich die zerstörerischen Kräfte, die Annie gerufen hat, allmählich gegen sie selbst und ziehen sie in einen Strudel der Gewalt. DAS WUNDER VON ST. ANNAUSA 2008; Regie: Spike Lee  1944. Auch in sanften Hügellandschaften herrscht Krieg. Ort der Handlung ist Sant'Anna di Stazzema in der Toskana. Die Protagonisten sind vier afro-amerikanische GIs, Mitglieder der 92. Division, die durch ihre sehr unterschiedlichen Wesensmerkmale zeigen, dass die Gemeinsamkeit der Hautfarbe im wahrsten Sinne des Wortes nur oberflächlich ist. Vier amerikanische Soldaten haben sich hier in einem Bergdorf verschanzt - unter ihrem besonderen Schutz steht ein kleiner italienischer Junge, den sie aus den Trümmern einer Scheune geborgen haben. Die Gegenwart des Kindes stiftet nicht nur eine merkwürdige Schicksalsgemeinschaft zwischen den Soldaten, den verbliebenen Dorfbewohnern und einer Hand voll Partisanen. Dabei sind nicht nur die deutschen Truppen eine Gefahr, sondern auch rassistische Vorgesetzte. Mittendrin steht ein stummer italienischer Waisenjunge, der trotz seines Wissens noch an Wunder glaubt. Dass dies kurz vor Weihnachten passiert und der Junge in einer Scheune gefunden wird, scheint allerdings ein wenig zu dick aufgetragen. Während sie die GIs auf Verstärkung warten, entsteht eine merkwürdige Schicksalsgemeinschaft: vier farbige Soldaten, der alte Ludovico und dessen schöne Tochter Renata, die kräuterkundige Ettora, eine Partisane - und natürlich der wundersam errettete Junge. Inmitten einer Atmosphäre von Hunger und Angst, Verrat und Tod gibt seine Unschuld ihnen allen den Glauben an die Liebe und der Menschlichkeit zurück. Bekannt ist US-Regisseur Spike Lee als jemand, der den Finger auf offene Wunden der amerikanischen Gesellschaft legt. Sicherlich war die Tatsache, dass afro-amerikanische Soldaten in den Medien immer noch unterrepräsentiert sind, ein Beweggrund für Spike Lee, Das Wunder von St. Anna zu realisieren. “Eine Million schwarze Männer und Frauen haben an diesem Krieg teilgenommen”, betont Lee immer wieder. Damit beginnt beim Regisseur von “Do The Right Thing” oder “Jungle Fever” ein neuer Karriere-Abschnitt, so Lee. Der Film werde “einzigartig, episch und sehr intensiv” werden. Mit im Cast: Derek Luke, Michael Ealy, Laz Alonso, and Omar Benson Miller, John Turturro und Alexandra Maria Lara. Das Drehbuch stammt von Neuling James McBride, der auch die Romanvorlage zum Film schrieb, der die in der Kriegsliteratur lange vernachlässigten schwarzen Soldaten in den Mittelpunkt rückt: Miracle of St. Anna. Spike Lee hat in letzter Zeit Schlagzeilen gemacht, weil er in den Kriegsfilmen von Clint Eastwood die afro-amerikanischen Soldaten vermisste. „Hat Lee irgendeine Ahnung von amerikanischer Geschichte?", fragte Eastwood, darauf angesprochen. Bis zum Korea-Krieg hätte in der US-Armee Rassentrennung bestanden, und das einzige schwarze Batallion, das in Iwo Jima zum Einsatz kam, sei eine kleine Munitionsnachschub-Einheit unter weisser Führung am Strand gewesen. „Aber unsere Geschichte ging um die Männer, die die Flagge gehisst haben", so der 77-jährige Filmemacher weiter, der in Cannes sein neues Werk „The Exchange" präsentierte. „Die können wir nicht zu Schwarzen machen, wenn diese gar nicht dort waren." Sein Rat an den Heißsporn Spike Lee: „Warum gehst du nicht heim, studierst deine Geschichte und hältst die Klappe!" Im Juni 1941 wurde übrigens per Präsidentenerlass die Rassendiskriminierung, nicht aber die Rassentrennung, in allen Regierungsbehörden verboten. Gleichzeitig wurde mit der Ausbildung afroamerikanischer US Army Airforce Piloten begonnen. Berühmt wurde die 99th Fighter Squadron die sich aus den Tuskegee Airmen rekrutierte, die ausschliesslich auf der Curtiss P-40 Warhawk eingesetzt waren. Böse Zungen werfen Lee vor, dass er damit nur Werbung für seinen Kriegsfilm Miracle at St. Anna (Das Wunder von St. Anna) machen will, der seit dem 26. September in den USA läuft (einen deutschen Starttermin gibt es noch nicht, allerdings erwarten wir einen Kinostart am Ende des Jahres). BRANDNER KASPAR
BRD 2008; Regie: Joseph Vilsmaier
 In einem Bilderbuch-Bayern mit Benediktenwand und Bergwiesen und Bauernhöfen, wo die Menschen noch wild und ungezähmt sind und weder Tod noch Teufel fürchten, höchstens den Dorfpfarrer und die Obrigkeit in Person eines mild-gütigen Wittelsbacher-Prinzen. So und nur so kann der "Brandner Kaspar" leben, dieses Urgestein aus der bayerischen Literatur. "Der Brandner Kaspar is a Schlosser gwest und hat bei Tegernsee a kloas Häusl ghabt, hübsch hoch obn am Albach, wo mar auf Schliersee nübergeht …": So beginnt 'Die Gschicht vom Brandner Kaspar', die Franz von Kobell 1871 in Fortsetzungen in den Fliegenden Blättern veröffentlichte. Franz Ferdinand Ritter von Kobell wurde 1803 als Sohn einer alteingessenen, angesehenen Beamtenfamilie in München geboren. Er war der Sohn des berühmten bayerischen Landschaftsmalers Wilhelm von Kobelll. Er studierte und wurde schon in jungen Jahren Professor für Mineralogie in München. Das Mineral Kobellit, ein Wismut-Antimon-Bleierz, wurde nach ihm benannt. Berühmter wurde er aber als Dichter, der die bayrische Mundart hoffähig machte. Er war ein leidenschaftlicher Jäger - und besonders stolz darauf, dass er bei seinem Tod 1882 auf eine Lebens-Jagdstrecke von 363 Gemsen zurückblicken konnte. Der Volksstückklassiker von 1934 erzählt neben der natürlichen Abneigung gegen den Tod auch von den bajuwarischen Feindbildern, die sich seit dem 19. Jahrhundert nicht verändert haben. Der Brandner Kaspar präsentiert auch den Widerstand gegen die Obrigkeit, nicht nur als Wilderer. Der Autor und Regisseur Kurt Wilhelm, der den "Brandner Kaspar" 1975 auf die Bühne des Cuvilliéstheaters brachte und ihm so das "ewig’ Leben" schenkte, ist der Urgrossneffe Kobells. Natürlich folgt der "Brandner Kaspar" den Mustern des Volkstheaters. Die einfachen Leute trotzen mit Heiterkeit und Witz schlitzohrig dem Schicksal - bis zum glücklichen Ende. Im Theater wohlgemerkt. Regisseur Joseph Vilsmaier hat sich des fast 150 Jahre alten Stoffs angenommen: Mit einem Filmteam ist er auf die Westflanke der Benediktenwand gefahren und hat in drei eigens umgebauten Hütten die Geschichte vom Kaspar und vom Boandlkramer nacherzählt - ein "Kindheitstraum" sei das für ihn gewesen, erzählt Vilsmaier. "In zwei wunderbaren Monaten" drehte er und seine Crew im Herbst 2007 in Murnau, am Tegernsee, in den Lienzer Dolomiten oder an der legendären Benediktenwand, um der bayerischen Volkslegende gerecht zu werden. In der Vilsmaier-Version wird das Stück allerdings zu einer lärmenden Slapstick-Parade der Spasstyrannen Kroetz, der aus dem Brandner "einen widerständigen, g'scherten, schrägen Bayern machen" wollte, und Herbig, die der Regisseur augenfällig nicht unter Kontrolle hatte. Er konzentriert sich lieber auf die beschaulichen, erwartungsgemäss virtuos gefilmten Alpenpanoramen. Doch darin bleibt der "Brandner Kaspar" schlichtweg eine blasse Figur in einer altbackenen Geschichte. Franz Xaver Kroetz erster Gedanke war: "Mei, die langweilige alte Nudel soll wer anderes spielen." In der Geschichte ist der nämlich ein ängstlicher alter Socken; und im Theater wird er vom Boanl regelmässig an die Wand gespielt. Ich wollte aber einen g’scherten, wilden Bayern spielen; das wurde mir dann ja auch genehmigt. Ich spiel’ ja nicht so gern den Kasperl - aber vor dem Vilsmaier seiner Kamera, da war ich gern der Kasperl." Der Brandner Kaspar (Franz-Xaver Kroetz), ein verwitweter Büchsenmacher, lebt in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit seiner Enkelin Nannerl (Lisa Potthoff) in den Bergen am Schliersee. Mit dem jungen Toni (Peter Ketnath), der Nannerl den Hof macht, bessert er sein schmales Einkommen durch Wilderei in den Wäldern der Umgebung auf und ist ein ausgefuchstes Schlitzohr. Er hat eine Menge Schulden beim Kugler Alois (Alexander Held), aber mit Kirschgeist und seiner geliebten Enkelin Nannerl (Lisa Maria Potthoff) erträgt der Witwer sein bescheidenes Leben. Ganz nach seiner eigenen Façon eben. Wäre da nicht der "Boandlkramer" (bayr. für "Knochenhändler"). Kurz vor seinem siebzigsten Geburtstag besucht ihn der Tod und will ihn mitnehmen. Der schlaue Kaspar macht den ungebetenen Gast mit Kirschgeist betrunken und betrügt ihn dann beim Kartenspielen, um somit weitere zwanzig Lebensjahre herauszuschinden. "Der ist gar nicht so böse, wie er aussieht. Der macht doch auch nur seinen Job", sieht Michael Bully Herbig seinen "Boandlkramer". Bald aber merkt er, der Kaspar, dass die gewonnenen Lebensjahre auch ihre Schattenseiten haben. Als Nannerl bei einem Jagdunfall ums Leben kommt, verliert denn das Dasein jeglichen Reiz - und er nimmt das Angebot des inzwischen schon von den Himmelsautoritäten bedrängten Boandlkramers (Michael Bully Herbig) an, einen Blick ins Himmelreich zu werfen und zu entscheiden, ob er nicht doch schon früher am Leben der Seligen teilhaben möchte. Dort gäbe es nicht nur ein Wiedersehen mit Gattin, Tochter und Enkelin; es liesse sich auch trefflich mit Erzengel Michael (Herbert Knaup), Petrus (Jörg Hube) und Nantwein (Jürgen Tonkel) Weisswurst essen und Bier trinken. So schlecht ist das Paradies in Bayern nämlich nicht. Zumal die Preussen keinen Zutritt haben. Regisseur Joseph Vilsmaier hat aber keine Angst vor "preussischen" Zuschauern: "Noch vor 30 Jahren hab’ ich mich geschämt, wenn ich bayrisch gesprochen hab'. Zum Glück hat sich das sehr geändert. Ich glaube schon, dass man den Film auch ausserhalb Bayerns versteht. Aber wenn er allein in Bayern vier Millionen Zuschauer bringt, dann bin ich auch schon zufrieden." Seit der Ur-"Geschichte vom Brandner Kaspar" von Franz von Kobell ist der kernige Schlosser, eine Inkunabel bayerischer Folklore geworden, ausserhalb der Landesgrenze kennt man den Brandner Kaspar allerdings noch nicht ganz so gut. Soll sich ja jetzt ändern: Nach 1949 (Kino) und 1975 (TV) ist es bereits die dritte Verfilmung des beliebten Volkstheaterstücks. "Mit der 1949er Verfilmung vom Brandner Kaspar verbinde ich meine ersten Filmerfahrungen. Mein Vater war damals Fahrer bei der Bavaria und brachte mich als kleinen Jungen gemeinsam mit Paul Hörbiger zum Set in Berchtesgaden", schwelgt Vilsmaier in Erinnerungen. Viele haben sich daran versucht, haben den Faden weiter- und die Geschichte ausgesponnen, den Stoff ins Theater gebracht und ins Kino. Am berühmtesten wurde dabei die Dramatisierung durch den Kobell-Urgrossneffen Kurt Wilhelm, der den Stoff 1975 ins Cuvilliéstheater brachte. Da wurde er zunächst als "hirschlederne Operette" beschimpft und später zum grössten Erfolg der bayerischen Theatergeschichte. Wer sich heute, wie Regisseur Joseph Vilsmaier, an eine Neu-Verfilmung wagt, muss den Vergleich aushalten mit Legenden wie Gustl Bayrhammer, Hans Strasser oder dem unvergesslichen Toni Berger (damals als "Boandlkramer"). Oder mit Christian Stückls aktueller, überschäumend spielfreudiger Inszenierung im Volkstheater. Franz Xaver Kroetz bringt es bei der Münchner Pressekonferenz zur "Brandner Kaspar"-Neuverfilmung auf den Punkt: "Wenn man in München ein Theater voll haben will, muss man den ,Brandner Kaspar’ spielen." Manchmal läuft auch die Tragikomödie aus dem Ruder. Dann kitschelt’s. Das Ereignis des Films ist es vor allem, den kantigen Theaterhaudegen Franz Xaver Kroetz und den eifrigen Blödler Michael Bully Herbig zusammen zu sehen. Echte bayerische Typen, jeder auf seine Weise. Ersterer dem Fernsehpublikum als Klatschreporter Baby Schimmerlos aus der Münchner Kultserie "Kir Royal" im Gedächtnis, Letzterer eine Art Volkskomiker mit vom Publikum subventionierter Lizenz zum Blödsinn. Herbig jedenfalls darf machen, was er will. Auch wenn das vor allem ähnliche Grimassen in neuen Kostümen sind. Und dazu einen Jodler … Am 11.10. war in München Premiere und am 16. Oktober startet der Fünf-Millionen-Euro-Streifen - als "bayerischer Halloweenfilm", wie Mitproduzent Markus Zimmer verlauten lässt - dann bundesweit in den Kino. "Ein Paradies ist es dann", sagt der Erzengel Michael (Herbert Knaup), "wenn jemand aufpasst, dass nicht jeder Depp hineinkommt." Schau 'mer mal wie paradiesisch der Film anläuft. |