beseitigen, um nicht eine der wichtigsten Kommunikationsebenen der Jugendlichen, im Bestreben den Glauben zu vermitteln, ungenutzt zu lassen.
"Dieses Medium ist effizienter, messbarer und planbarer als alle anderen", sagt Matthias Schrader, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Internetdienstleisters SinnerSchrader. Diese Erkenntnis ist zwar bis in die Chefetagen der Unternehmen vorgedrungen, scheint aber erst allmählich im Bewusstsein der Gemeinden und merkwürdigerweise auch der JuKis Fuss zu fassen. "Aber in Deutschland mangelt es noch an dem wirklichen Verständnis des Mediums", kritisiert Schrader.
Auf Kirchenseite müsste sich die Erkenntnis durchsetzen, dass es nicht mehr nur um quantitative, sondern vor allem um qualitative Reichweite geht. Die christlichen Glaubensgemeinschaften sollten "hochwertige Inhalte für alle digitalen Kanäle produzieren." Bislang steht das Web in Deutschland eher in dem Verdacht, ein Spielzeug für Jugendliche mit viel Zeit zu sein.
Es tauchen immer wieder die gleichen Fragen auf: Aber was ist das genau? Wer nutzt es eigentlich? Und wohin geht die Reise im Netz? Eins vorweg: So einfach ist das mit den Antworten nicht! Die Kirchen treibe zunehmend eine gewisse Unsicherheit in Bezug auf den unkontrollierten und schnellen Meinungsaustausch. Doch dieser kann nur durch gezielte Information mit Hilfe des Regelwerks der Kirchengemeinschaften korrigiert werden.
Eins ist sicher: Deutschland ist im Netz, die letzten Lücken schliessen sich innerhalb der nächsten Jahre. Jetzt muss man nur die Themen finden, mit denen die Menschen sich gerne vernetzen, und "Mitmach-Netz" scheint eine Richtung vorzugeben. Prominente Beispiele sind die Videoplattform YouTube, das Business-Netzwerk OpenBC/Xing oder das Nachschlagewerk Wikipedia. Die Folge der Vernetzung: Wird eine Nachricht von vielen Nutzern für interessant befunden, verbreitet sie sich in Windeseile im gesamten Netz. Eine traumhafte Voraussetzung für die Verbreitung des Glaubens - scheinbar schmeisst man seine Botschaft in den Orbit des Internets und sie vervielfältigt sich von ganz alleine.
Aber wie schon beim Internetboom Ende der 90er Jahre reicht es nicht zu rufen: "Ich bin drin." In den vergangenen Monaten haben viele Jugendkirchen schnell einen Bereich auf ihrer Seite installiert, in dem User ihre Meinung sagen können - die Jugend hat ihre Meinungsmacht entdeckt und will wahrgenommen werden, beteiligt sein. "Dazu gehört ein Umdenken in den Chefetagen", ist sich ein JuKi-Teamer sicher.
Das Internet als virtueller Erfahrungsraum steht wohl auch deshalb im Mittelpunkt einer zweitägigen Veranstaltung unter dem Thema "Mit der Welt vernetzt. Kinder und Jugendliche in virtuellen Erfahrungsräumen", die die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gemeinsam mit dem Erfurter Netcode, dem Hans-Bredow-Institut für Medienforschung und der Fachgruppe Medienpädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) am 9. und 10. Oktober ausrichtet.
Die technischen Entwicklungen im Internet stellen sowohl die Kinder und Jugendlichen, als auch Eltern und Pädagogen vor neue Herausforderungen, so die Veranstalter. Es bedürfe daher "entsprechender Konzepte und Handlungsoptionen, wie man sich diese virtuellen Erfahrungsräume erschliessen und Heranwachsende bei ihrem Streifzug durch diese Räume begleiten kann", heisst es in der Einladung zur Tagung.
Folgende Fragen sollen im Laufe der Tagung aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert werden: Wie nutzen Kinder und Jugendliche das Internet? Was fasziniert sie? Was suchen und erwarten sie? Und: was finden sie tatsächlich vor? Unter der Leitung von Dr. Thomas Dörken-Kucharz vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) und Dietmut Roether von epd-Medien diskutieren namhafte Medienforscher und Kommunikationswissenschaftler.
siehe auch →
Jugendkirche aus Bits und Bytes? Donnerstag, 9. Oktober
Tagesmoderation: Dr. Thomas Dörken-Kucharz, GEP
10.00-10.30 Uhr Begrüßung
OKR Markus Bräuer (Medienbeauftragter der Evangelische Kirche in Deutschland, EKD)
Prof. Dr. Uwe Hasebrink (Hans-Bredow-Institut für Medienforschung)
Ulrike Wagner (DGPuK, FG Medienpädagogik)
10.30-11.00 Uhr Internetnutzung im späten Kindes- und frühen Jugendalter
Dr. Christine Feil (Deutsches Jugendinstitut, dji)
11.00-11.30 Uhr Internetnutzung im Jugendalter
Sabine Feierabend (SWR Medienforschung)
11.30-12.30 Uhr Kinderwelten 2008. Zur Rolle des Web 2.0 bei den 8- bis 14-Jährigen
Birgit Guth (Medienforschung Super-RTL)
12.30-13.00 Uhr Diskussion im Plenum
13.00-14.00 Uhr Mittagessen
14.00-14.30 Uhr Ein Surfraum für Kinder – fragFINN
Dr. Friederike Siller (FSM)
14.30-15.00 Uhr My first net – Internet im Vorschulalter
Prof. Dr. Roland Rosenstock (Universität Greifswald)
15.00-15.30 Uhr Kaffee
15.30-16.00 Uhr Kinder und Onlinewerbung
Prof. Dr. Burkhard Fuhs (Universität Erfurt)
16.00-16.30 Uhr Diskussion im Plenum
16.30-17.00 Uhr Verleihung des Siegels des Erfurter Netcodes e.V.
Thomas Eichler (Erfurter Netcode), Dr. Georg Ludwig (Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie)
Get together
18.00 Uhr Treffen der Fachgruppe Medienpädagogik
Freitag, 10. Oktober
Tagesmoderation: Diemut Roether, epd-Medien
9.00-9.30 Uhr Morning coffee
9.30-10.00 Uhr Jugendliche als aktive Onlinenutzer im Social Web
Prof. Dr. Bernd Schorb & Ulrike Wagner
(Universität Leipzig, Professur für Medienpädagogik,
JFF-Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis)
10.00-10.30 Uhr Persönliche Öffentlichkeiten im Social Web
Dr. Jan Schmidt (Hans-Bredow-Institut für Medienforschung)
10.30-11.00 Uhr Internetforen als Erziehungsratgeber
Julia Berger (Fachhochschule Mittweida)
11.00-11.30 Uhr Kaffee
11.30-12.00 Uhr Neue Risiken durch das Social Web
Martina Mühlberger (KJM)
12.00-12.30 Uhr Gewalt im Web 2.0 und violente Konvergenz
Prof. Dr. Petra Grimm (Universität Stuttgart)
12.30-13.00 Uhr Diskussion im Plenum
13.00-14.00 Uhr Mittagessen
14.00-14.30 Uhr Was machen die anderen? Onlinenutzung von Kindern im europäischen Vergleich
Prof. Dr. Uwe Hasebrink & Dr. Claudia Lampert (Hans-Bredow-Institut für Medienforschung)
14.30-15.00 Uhr Was ist zu tun? Herausforderungen und Aufgaben für die Förderung der Medienkompetenz
Prof. Dr. Ingrid Paus-Hasebrink (Universität Salzburg)
15.00-16.00 Uhr Podiumsgespräch mit Plenumsbeteiligung
Tagungsort:Französischer Dom
Gendarmenmarkt 5
10117 Berlin
Tagungsbüro und Anmeldung:Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland
Referat Medien und Publizistik
Kirsten Finck
Herrenhäuser Straße 12
30419 Hannover
Tel.: +49 (0)511 2796-271
Fax: +49 (0)511 2796-99 271
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