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Freitag, 3. September 2010
Vesper in der Jugendkirche plus ... PDF Drucken
Geschrieben von pierre roh   
Samstag, 27. September 2008
jugendkirche mannheim bittet zum gesprächIn die Öffentlichkeit geht die Kirche mit einer Podiumsdiskussion am Montag, 29. September, ab 18 Uhr in der Mannheimer CityKirche Konkordien. Sozialrichter Dr. Jürgen Borchert wird da sein, Bildungsbürgermeisterin Gabriele Warminski-Leitheusser, Vertreter der Gemeinderatsfraktionen auch. Es geht um Hintergründe, vor allem aber um konkrete Lösungen, die die Jugendkirche bereits gezielt angeht: Vom ersten Sonntag im Advent, 30. November bis 6. Dezember, Nikolaus, lädt die Evangelische Kirche Schulklassen zu einem Kindervesper in die Jugendkirche in Mannheim auf dem Waldhof ein. "Wir müssen rasch und entschlossen handeln, wenn wir nicht wollen, dass die Gruppe der schlecht qualifizierten und mässig motivierten Jugendlichen von heute die Armen von morgen sind", ist sich auch Caritas-Präsident Neher bewusst.
 
Stark steigende Preise für Grundnahrungsmittel, Treibstoff und Dünger treiben weltweit Millionen in den Hunger. Im Jahr 2007 ist die Zahl der Menschen ohne ausreichende Nahrungsmittelversorgung im Vergleich zum Vorjahr um 75 Millionen auf 923 Millionen gestiegen. Dies teilte die UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) in Rom mit. Damit sei das Ziel der UN, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, in weite Ferne gerückt.

Auch die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich überraschend stark verschlechtert und Ängste vor einer Rezession geschürt. Bei dem Verbraucher macht sich zunehmend Konjunkturpessimismus breit - die Stimmung ist so trüb wie seit Jahren nicht mehr. Der Konsum sank bereits im zweiten Quartal um 0,7% und die Prognose für das Konsumklima für September lediglich bei 1,5 Punkte - nach 1,9 im August; viele Verbraucher zögerten weiter mit grösseren Anschaffungen, nur wenige rechneten mit einer raschen Konjunkturbelebung, so das Marktforschungsunternehmen GfK in ihrer Konsumklimastudie. Allerdings beurteilten die Haushalte ihre Situation nicht mehr ganz so pessimistisch wie in den Vormonaten und das, obwohl nicht nur der Chefvolkswirt der Commerzbank das Rezessionsrisiko in der BRD als "sehr real" einstuft.

Die deutschen Arbeitnehmer haben einer Studie zufolge als Einzige in der EU in den vergangenen acht Jahren Reallohn-Verlust hinnehmen müssen. Die BRD habe mit einem Minus von 0,8% die schwächste Reallohn-Entwicklung der EU. In allen anderen Ländern  seien die Reallöhne gestiegen, berichtete das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf. Einsamer Spitzenreiter war Rumänien mit einem Reallohn-Zuwachs von 331,7%, gefolgt von Lettland mit 188,5%.

Aber auch in den "alten" EU-Ländern legten die Reallöhne zu, mit Ausnahme Deutschlands. In Frankreich stiegen sie seit dem Millenium um 9,6%, in Grossbritannien um 26,1%. An der Spitze lagen mit 39,6% Griechenland und Irland mit 30,3%, und während im EU-Durchschnitt ein geringfügiges Reallohn-Wachstum erwartet wird, rechnen die Experten für Deutschland erneut mit einem Rückgang.
Der im Mai präsentierte dritte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung stellt unter anderem fest, dass Bildungschancen in Deutschland zu stark vom Einkommen der Eltern abhängen. Die Armutskonferenz wurde 1991 von Wohlfahrtsverbänden aus ganz Deutschland als deutsche Sektion des Europäischen Armutsnetzwerkes gegründet. Ihr gehören unter anderem das Deutsche Rote Kreuz, die katholische Caritas und das Diakonische Werk der EKD an.

"Mehr Chancen für benachteiligte Jugendliche"

"Jeder Vierte zwischen 16 und 24 Jahre alte Jungendliche lebt in materieller Not oder ist davon bedroht." Das erklärt die Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jungendhilfe (AGJ) Anfang Juni 2008. Daraufhin soll ein umfassendes Sofortprogramm gegen Kinderarmut hat der Sprecher der Nationalen Armutskonferenz, Pfarrer Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau, gefordert. Das Gremium, das am 16. September in Hannover tagte, verlangt von Bund, Ländern und Kommunen unter anderem einen Rechtsanspruch auf Lernmittelfreiheit, zumindest für arme Kinder.

Gern: "Die Erhöhung der staatlichen Unterstützung von Kindern darf nicht im Zuständigkeitsstreit zwischen den unterschiedlichen Finanziers aufgeweicht oder gar verhindert werden.“ Ferner forderte Gern eine 20-prozentige Anhebung des Kinderregelsatzes. Die anstehende Erhöhung des Kindergelds müsse auch bei den über zwei Millionen Kindern mit Hartz-IV-Bezug wirksam werden. Besonders die drohende Verfestigung armer Verhältnisse über Generationen sei dramatisch. "Denn wenn aus Kindern armer Eltern arme Eltern werden, dann  werden soziale Lebenschancen vererbt."

Unter dem Motto "Achten statt ächten" setzt die Caritas in Deutschland ihre Initiative für benachteiligte Kinder und Jugendliche fort. Die Caritas lenkt damit den Blick auf diejenigen, denen häufig ein guter Start ins Leben schon dadurch verwehrt ist, dass sie keinen Ausbildungsplatz finden. "Achten statt ächten" gilt als ein dauernder Appell nicht nur an Kirche und Gesellschaft, sondern an jeden einzelnen Bürger, sich nicht mit Gegebenem abzufinden. "Wir müssen rasch und entschlossen handeln, wenn wir nicht wollen, dass die Gruppe der schlecht qualifizierten und mässig motivierten Jugendlichen von heute die Armen von morgen sind. Es kann nicht sein, dass sich junge Menschen darin einrichten, dauerhaft auf Transferleistungen des Staates angewiesen zu sein", so Caritas-Präsident Neher.

Zur gezielten Ermutigung benachteiligter Jugendlicher hat Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst aufgerufen. "Jugendliche, die sich übersehen fühlen müssen, wenn keine Zeit, keine Chancen, kein Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, kein Verständnis, keine Liebe für sie da ist, verlieren das Vertrauen in die Welt und in unsere Gesellschaft, in die Politik und in unsere Gemeinden. Wer die Achtung durch andere vermisst, verliert auch die Achtung vor sich selbst. Wer sich allein und sitzen gelassen fühlt, empfindet Ächtung", formulierte der Bischof in einer Predigt.

"Nicht wenige Menschen empfinden, dass die Welt kompliziert und oft unüberschaubar geworden ist", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, in seiner Predigt beim Eröffnungsgottesdienst der Hauptversammlung der Bischofskonferenz im Fuldaer Dom. Manche hätten das Gefühl und seien der Überzeugung, dass sie in schlimmen Zeiten leben, Zeiten, die sich von Gott entfernt hätten. Er hat die Kirchenvertreter aufgerufen, die Ängste der Menschen in der Gesellschaft ernst zu nehmen.

Mannheimer Jugendkirche startet Initiative

Der ganz normale Wahnsinn: Jeder geht seinen Weg. Die einen machen ihre Hausaufgaben, tagtäglich, der anderen hängt herum, ist halt ein Jugendlicher mit ein paar Problemen. Jeder zieht seine eignen Kreise. Eine ganz gewöhnliche Situation in unserer Gesellschaft. "Viel zu schnell sind wir bereit, uns über die "Jugend von heute" zu beschweren und sie in einer Zeit der gefühlten und erlebten Haltlosigkeit alleine zu lassen", so der Präsident des Deutschen Caritasverbandes (Sitz: Freiburg).

Die Realität vieler junger Menschen sei heute bestimmt von Armut und geringer Bildung: Rund acht Prozent der Jugendlichen im Alter von 15 bis 17 Jahren haben keinen Hauptschulabschluss (Bildungsbericht 2008), etwa 17 Prozent der unter 25-Jährigen bleiben dauerhaft ohne abgeschlossene Ausbildung (3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung) und mehr als 990.000 Jugendliche unter 25 Jahren haben im März 2008 Arbeitslosengeld-Zwei (ALG-II) bezogen (Angaben der Agentur für Arbeit). Die Anstrengungen vieler Mädchen und Jungen, die trotz widriger Umstände versuchen, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen, gilt es anzuerkennen. Doch Anerkennung alleine hilft nicht.

Der Direktor des Diakonischen Werks, Peter Hübinger, glaubt daran, dass Menschen hilfsbereit sind. Wenn sie wissen, wo Hilfe gebraucht wird. Genau da liegt das Problem: "Kinderarmut findet im Verborgenen statt - die Leute können sich nicht einfühlen." Aus diesem Grund startet die Mannheimer Evangelische Kirche eine Initiative, um gezielt auf Kinderarmut in der Stadt aufmerksam zu machen. Denn Dekan Günter Eitenmüller findet: "Wir bilden eine wirklich reiche Gesellschaft. Trotzdem lassen wir viele Kinder in einem schlechten Zustand."

In die Öffentlichkeit geht die Mannheimer Kirche mit einer Podiumsdiskussion am Montag, 29. September, ab 18 Uhr in der CityKirche Konkordien. Sozialrichter Dr. Jürgen Borchert wird da sein, Bildungsbürgermeisterin Gabriele Warminski-Leitheusser, Vertreter der Gemeinderatsfraktionen auch. Es geht um Hintergründe, vor allem aber um konkrete Lösungen.

Bei den sozial benachteiligten Kindern ist zu beobachten, dass sie
  • sich ungesünder ernähren.
  • sich weniger bewegen.
  • immer häufiger in isolierten Wohnvierteln unter sich bleiben.
  • keine guten Schulen besuchen.
  • nur mangelhafte Ausbildungsmöglichkeiten haben.
  • keine ausreichend soziale Unterstützung haben.
  • Es entwickeln sich "Armutskarrieren". Die fehlenden Bildungschancen führen dazu, dass wichtige Potenziale der Kinder und Jugendlichen verloren gehen. Das habe auch mittelfristig gravierende Folgen auf die volks-wirtschaftliche Leistung.
  • Jedes 3. Kind wies im Jahr 2004 bei seiner Einschulung therapiebedürftige Entwicklungsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten auf.
  • Jedes 4. Schulkind habe die Schule "ohne Beherrschung des Mindestmaßes an Kulturtechnik" verlassen, die selbst Hilfsarbeiten erfordern. Die Tendenz ist stark steigend.
  • Deutschland habe wegen seiner "Familienverarmung und Bildungsverarmung" in den Industrienationen eine negative Spitzenstellung.
  • Fazit: Kinderarmut ist mehr, als nur wenig Geld zu haben. Armut ist erblich, so das Deutsche Kinderhilfswerk.
Hübinger hebt hervor, dass Armut das Leben von Kindern früh beeinflusst: Die Teilnahme an der Gesellschaft ist beschränkt. Sie fühlen sich isoliert. Oft kommt es vor, dass die Kinder nicht mit auf Klassenausflüge können, weil ihre Eltern kein Geld haben. "Es ist schon schlimm genug, dass Kinder ohne Frühstück in die Schule geschickt werden", sagt Ilka Sobottke, Pfarrerin der CityKirche Konkordien. "Wir erleben tagtäglich hungrige Mädchen und Jungen." Vom 30. November bis 6. Dezember lädt die Evangelische Kirche Schulklassen zu einem Kindervesper in die Jugendkirche auf dem Waldhof ein. Es gibt einen Gottesdienst, ein Mittagessen und ein Rahmenprogramm. Finanziert wird das Essen aus Spenden ( → Vesper in der Jugendkirche).

Starterpakete für Schulanfänger verteilte die Evangelische Kirche in sechs Gemeinden, meistens über den Kontakt in die Kitas und nach Vorgaben der Schulen. Die Pakete enthielten Stifte und Hefte. Viele Eltern können ihren Kindern noch nicht einmal diese Utensilien kaufen. Mehrere Gemeinden haben zudem an Schulen und Horten eine Notfall- und Spendenkiste entwickelt. "Es geht darum, sich vor Ort intensiv einzumischen", sagt Ilka Sobottke. Am besten gemeinsam.

siehe auch:
Jugendkirche contra Sozialabbau

Jugendkirche gegen Armut und Anmaßung
 
 
 
 
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